Baby Philodendron xanadu

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Beschreibung

Über Philodendron xanadu

Philodendron xanadu ist eine kompakte Strukturpflanze aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Anders als die bekannten kletternden Philodendren bildet sie keine Ranken, sondern wächst selbstköpfig (self-heading) — also buschig, aufrecht und selbsttragend aus einem kräftigen, verholzenden Stamm, ganz ohne Moosstab oder Kletterhilfe. Ihr optisches Kernmerkmal sind die glänzenden, tief fiederschnittig gelappten Blätter, die ihr trotz gedrungener Größe ein ausgesprochen tropisches Erscheinungsbild verleihen. In der Fachliteratur gilt sie als robuste Art, die kleinere Pflegefehler deutlich besser verzeiht als feuchtigkeitsempfindlichere Aroids. Damit steht sie zwischen anspruchsvollen Sammlerstücken und unkomplizierten Einsteigerpflanzen und eignet sich für beide Gruppen.

Taxonomie und die Namensfrage

Die Geschichte dieser Pflanze ist von einem hartnäckigen botanischen Missverständnis geprägt, denn sie kam nicht als Wildart in die Kultur, sondern als vermeintliche Züchtung. 1983 wurde in einer Baumschule in Western Australia ein Sämling ausgelesen, von dem man annahm, er entstamme der Art Philodendron bipinnatifidum — damals meist als Philodendron selloum gehandelt. Wegen des ungewöhnlich kompakten Wuchses hielt man ihn für einen Zufallssämling oder eine spontane Mutation und schützte ihn zunächst unter dem Sortennamen 'Winterbourn'. 1988 brachte ihn das Unternehmen House Plants of Australia unter dem Handelsnamen 'Xanadu' als „Pflanze des Jahres" auf den Markt und ließ ihn in den USA über ein Pflanzenpatent schützen.

Diese Einordnung als Sorte hielt sich über ein Jahrzehnt, bis Feldforschung und taxonomische Untersuchungen sie widerlegten. Die Aroid-Forscher Julius Boos, Thomas Croat (Missouri Botanical Garden) und Simon Mayo (Kew) wiesen nach, dass das Ausgangsmaterial keine Mutation war, sondern aus Samen einer eigenständigen, in Südamerika wild vorkommenden Art stammte. 2002 (veröffentlicht 2003) wurde die Pflanze in der Fachzeitschrift Aroideana formell als neue Wildart Philodendron xanadu Croat, Mayo & J.Boos erstbeschrieben. Botanisch ist 'Xanadu' damit weder eine Sorte noch eine Hybride von P. bipinnatifidum, sondern eine valide, eigenständige Spezies. Das US-Patent lief 2008 aus und der Markenname gilt heute als erloschen, sodass keinerlei Vermehrungsbeschränkungen mehr bestehen.

Für den Kauf ist das mehr als eine Fußnote, denn im Handel kursiert die Pflanze bis heute häufig als „Philodendron selloum Xanadu". Diese Bezeichnung ist gleich doppelt irreführend: Das Epitheton „selloum" ist taxonomisch überholt und längst als Synonym in Philodendron bipinnatifidum überführt, und der angehängte Zusatz „Xanadu" suggeriert eine Sorten- oder Wuchsform-Zugehörigkeit zu genau dieser Art, die durch die Erstbeschreibung von 2002 widerlegt wurde. Seriöse botanische Quellen führen die Pflanze daher ausschließlich als Philodendron xanadu beziehungsweise Thaumatophyllum xanadu, ohne Bezug zu bipinnatifidum.

Zwischen diesen beiden Namen verläuft eine aktuelle, bislang ungelöste Fachdebatte. Traditionell steht die Art in der Untergattung Meconostigma der Gattung Philodendron. 2018 schlug ein Team um Sakuragui, Calazans und Mayo in der Zeitschrift PhytoKeys vor, diese Untergattung auf Basis molekularer, morphologischer und zytologischer Befunde als eigene Gattung Thaumatophyllum abzutrennen; die Art heißt dann Thaumatophyllum xanadu. Diese Umstellung ist nicht allgemein anerkannt: Das International Plant Names Index (IPNI) und die Global Biodiversity Information Facility (GBIF) führen Thaumatophyllum xanadu als gültigen Namen, während Plants of the World Online (POWO) der Kew Gardens sowie die World Flora Online weiterhin Philodendron xanadu als akzeptierten Namen ansetzen und Thaumatophyllum nur als Synonym behandeln. Im Pflanzenhandel überwiegt nach wie vor die Bezeichnung Philodendron xanadu.

Natürliches Vorkommen und Habitat

Anders als es die frühe, marketinggetriebene Behauptung eines australischen Ursprungs vermuten ließ, liegt das natürliche Verbreitungsgebiet in Südamerika: Philodendron xanadu stammt aus dem südlichen Brasilien und aus Paraguay. Als terrestrische, also im Boden wurzelnde Art wächst sie dort in einem vergleichsweise offenen Umfeld. Die Gattung Thaumatophyllum, der sie nach neuerer Auffassung zugerechnet wird, besiedelt ein breites Spektrum von den feuchten Amazonas- und Atlantikregenwäldern bis zu den trockeneren Cerrado-Savannen. Charakteristisch für diese Verwandtschaft sind eine Vorliebe für höhere Lichtintensität und eine gewisse Trockenheitstoleranz — beides Eigenschaften, die die Pflege im Haus erleichtern. Kultiviert wird die Art heute weltweit in tropischen, subtropischen und warmgemäßigten Klimazonen.

Entdeckung und Historie

Die formelle Erstbeschreibung stützte sich auf kultiviertes Material: Der Holotypus (Croat 81537) geht auf eine in Florida gezogene Pflanze zurück, deren genaue Wildherkunft in den Unterlagen als „unbekannt" vermerkt ist. Julius Boos untersuchte dieses Exemplar in Florida und beschrieb die Art gemeinsam mit Thomas Croat und Simon Mayo wissenschaftlich. Dass die in den USA über Gewebekultur massenhaft vermehrten Klone ursprünglich aus einer australischen Baumschule importiert worden waren, gilt als wesentliche Ursache der langjährigen Verwirrung über den Ursprung der Pflanze.

Erscheinungsbild

Die Blätter sind fiederschnittig (pinnatisekt), also nahezu bis zur Mittelrippe eingeschnitten, mit etwa zehn primären Seitenlappen je Blatthälfte. Sie sind glänzend und ledrig, oberseits dunkelgrün und unterseits blasser; die Basis der Mittelrippe zeigt auf der Blattunterseite oft einen rötlichen Ton. Zu den Blattmaßen variieren die Quellen deutlich: Botanische Typusbeschreibungen geben eine Blattspreite von 25 bis 31 cm Länge und 17 bis 25 cm Breite an, während weiter gefasste enzyklopädische Angaben bis zu 40 cm Länge und 30 cm Breite nennen.

Der Stamm ist dunkelbraun, kurzgliedrig und kann 3 bis 5 cm Durchmesser erreichen; auffällig sind die augenförmigen Blattnarben. Der Blattstiel (Petiolus) ist gerieft, leicht glänzend und trägt auf der Oberseite einen charakteristischen C-förmigen Kanal — ein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal. Entscheidend für Standortwahl und Pflege ist der Wuchs: Philodendron xanadu ist kein Kletterer, sondern eine selbstköpfige Art, die sich buschig und aufrecht aus einem dicken, verholzenden Stamm aufbaut. Sie benötigt weder Moosstab noch Rankhilfe und bildet keine kletternden, nach Halt suchenden Triebe.

Die Adventivwurzeln sind rötlich-braun, etwa 9 bis 14 mm dick und längsrissig; bei Verletzung tritt ein scharf riechender Pflanzensaft aus. Gelegentlich werden Luftwurzeln gebildet. Der Blütenstand besteht aus einem cremefarbenen Kolben (Spadix) von 8,5 bis 10,5 cm Höhe, der von einem ledrigen Hüllblatt (Spatha) mit tief purpurbrauner Außenseite umgeben ist.

In der Wuchsgröße bildet die Art dichte Horste. Im Freiland erreicht sie bis zu etwa 1,5 m Höhe und 1,5 m Breite; in der Zimmerkultur bleibt sie mit typischerweise 90 bis 120 cm Höhe deutlich kompakter.

Standort, Licht und Temperatur

Philodendron xanadu gedeiht am besten in hellem, indirektem Licht. Als Richtwert werden etwa 10.000 bis 20.000 Lux genannt, vergleichbar mit dem gefilterten Licht unter einer ausladenden Laubbaumkrone oder einem Standort einige Schritte hinter einem nach Osten oder Norden ausgerichteten Fenster. Die Art ist anpassungsfähig und verträgt sowohl hellere als auch halbschattige Plätze; direkte Sonne sollte jedoch vermieden werden, da sie die Blätter verbrennen kann. Zu wenig Licht führt dagegen zu vergeilten Stielen und schwächer ausgeprägten Blattlappen.

Die optimale Temperatur liegt bei 18 bis 24 °C am Tag und 13 bis 16 °C in der Nacht, bei einem Minimum von 13 °C. Zugluft wird zwar toleriert, ist für ein optimales Ergebnis aber nicht zu empfehlen. Die Luftfeuchte sollte zwischen 55 und 70 Prozent liegen: Unter 40 Prozent bräunen und rollen sich die Blattränder, während eine dauerhaft über 80 Prozent liegende Feuchte — besonders bei über Nacht nass bleibenden Blättern — bakterielle Blattkrankheiten begünstigt.

Substrat und Anbaumethoden

Die kräftigen, halb verholzten Wurzeln dieser Art brauchen viel Sauerstoff im Wurzelraum. Feine, stark wasserhaltende Erden auf Torfbasis verdichten sich und lassen die Wurzeln ersticken, was Fäulnis Vorschub leistet; selbst manche im Handel als „Aroid-Mix" verkaufte Mischung enthält dafür zu viel Torf oder Kompost. Geeignet ist ein grob strukturiertes, luftiges Substrat, das Durchlüftung und Drainage über Nährstoffdichte stellt — etwa aus einem hohen Anteil Orchideenrinde und Perlit, ergänzt um Kokosfaser und einen kleinen Anteil Wurmhumus. Bewährt haben sich breite, schwere Töpfe, denn verdichtetes, dauernasses Substrat um die dicken Wurzeln ist das Hauptrisiko.

Auch die Kultur in mineralischen, semi-hydroponischen Systemen ist möglich und gilt als langlebig und wenig schädlingsanfällig; da hier keine Pilze im Substrat entstehen, bietet sie Allergikern einen Vorteil. Reines Sphagnum-Moos kommt vor allem in der Anzuchtphase zum Einsatz, in der Stecklinge oder Teilstücke in feuchtem Moos bewurzelt werden.

Düngung

Philodendron xanadu wächst langsam und speichert nur wenig Stickstoff, weshalb beim Düngen Zurückhaltung geboten ist. Überdüngung verbrennt die Wurzeln und zieht Trauermücken an. Empfohlen wird ein ausgewogener, harnstofffreier Dünger in stark verdünnter Dosierung, alternativ eine schwache Flüssigdüngerlösung zwei- bis dreimal während der Wachstumsphase. In Herbst und Winter, wenn der Stoffwechsel heruntergefahren ist, wird nicht gedüngt, da sich Nährsalze sonst anreichern und die Wurzeln schädigen.

Gießen und Wasserqualität

Das Substrat sollte ganzjährig gleichmäßig feucht, aber nie nass sein. Gegossen wird durchdringend erst dann, wenn die oberen 5 bis 8 cm abgetrocknet sind und das Topfgewicht spürbar abgenommen hat — als Faustregel, wenn das Substrat zu etwa 50 bis 70 Prozent abgetrocknet ist. Die Pflanze verträgt kurzzeitige Trockenheit besser als zu nasse Wurzeln. Auf Fluorid und Chlor reagiert sie empfindlich; empfehlenswert sind daher destilliertes Wasser, Regenwasser oder gefiltertes Wasser, wenn das Leitungswasser stark aufbereitet ist.

Vermehrung

Vermehrt wird Philodendron xanadu vor allem durch Teilung: Beim Umtopfen lassen sich die dichten Horste zerteilen, die Teilstücke werden in frisches Substrat gesetzt und feucht gehalten. Daneben ist auch eine Vermehrung über Stammstecklinge möglich. Da Patent- und Markenschutz erloschen sind, bestehen für die Vermehrung keine rechtlichen Beschränkungen mehr.

Giftigkeit für Mensch und Tier

Wie alle Aronstabgewächse enthält Philodendron xanadu in allen Pflanzenteilen nadelförmige Calciumoxalat-Kristalle, sogenannte Raphiden, die in spezialisierten Zellen (Idioblasten) gebündelt vorliegen. Werden Pflanzenteile zerkaut, werden diese Kristalle freigesetzt und dringen mechanisch in die Schleimhäute ein. Typische Folgen sind sofortiges Brennen und Schmerzen sowie Schwellungen von Lippen, Mund, Zunge und Rachen; hinzu kommen starker Speichelfluss und Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen. Der Pflanzensaft kann außerdem Hautreizungen auslösen.

Die Pflanze gilt als giftig für Menschen und Tiere und sollte von Kindern und Haustieren ferngehalten werden; beim Umtopfen und Schneiden ist Vorsicht geboten. In der Regel bleiben keine dauerhaften Schäden zurück, doch eine Schwellung der Atemwege erfordert tierärztliche Abklärung. Bei ausgeprägten Symptomen, besonders Problemen beim Schlucken oder Atmen, sollte daher umgehend fachlicher Rat eingeholt werden.

Häufige Probleme und Schädlinge

Das größte Risiko in der Zimmerkultur geht von zu viel Nässe aus. Überwässerung ist die Hauptursache für Wurzelfäule, erkennbar an braunen, weichen Wurzeln und vergilbenden Blättern; Gegenmaßnahmen sind weniger Wasser, bessere Drainage und ein Umtopfen in frisches, durchlässiges Substrat. Bei sehr hoher Luftfeuchte über 80 Prozent und über Nacht nass bleibenden Blättern drohen bakterielle Blattkrankheiten (Xanthomonas campestris). Aus diesem Grund ist vom Besprühen der Blätter abzuraten — Versuchsdaten der University of Florida zeigen an besprühten Xanadu-Pflanzen rund 3,2-mal mehr Blattflecken als an nicht besprühten. An tierischen Schädlingen können Blattläuse, Schmierläuse, Schildläuse, Thripse und Spinnmilben auftreten.

Besonderheiten

Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal ist der selbstköpfige, nicht kletternde Wuchs: Philodendron xanadu baut sich ohne Stütze aus einem kräftigen Stamm auf und bleibt kompakt — anders, als der Gattungsname bei Kennern kletternder Philodendren vermuten lässt. Häufig wird sie mit dem nah verwandten Baum-Philodendron (Thaumatophyllum bipinnatifidum, oft als „Split-Leaf-Philodendron" oder fälschlich als „Selloum" gehandelt) verwechselt und sogar als dessen Zwergform ausgegeben. Drei Merkmale grenzen sie zuverlässig ab: Ihre Blätter sind fiederschnittig (pinnatisekt), nicht doppelt fiederteilig (bipinnatifid); der Blattstiel trägt oberseits einen C-förmigen Kanal statt einer flachen Oberseite; und die Spatha ist tief purpurbraun statt überwiegend grün.

CITES und rechtlicher Status

Philodendron xanadu ist nicht durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt. Die Art wird weltweit über Gewebekultur vermehrt, ist leicht verfügbar und gilt nicht als gefährdet; für Handel, Import und Export bestehen keine artenschutzrechtlichen Nachweispflichten.

Details & Spezifikationen

Topfgröße

5 cm

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