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Baby Alocasia micholitziana Frydek
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Beschreibung
Über diese Pflanze
Alocasia micholitziana aus der Familie der Araceae (Aronstabgewächse) wird im Handel meist unter den Namen 'Frydek' oder 'Green Velvet' geführt. Kennzeichnend sind die tiefdunkelgrünen, samtig-matten Blätter mit ihrer leuchtend weißen Aderung. Botanische wie gärtnerische Quellen ordnen die Art nicht als Anfängerpflanze ein, sondern als anspruchsvolles Sammlerstück: Sie reagiert empfindlich auf Schwankungen bei Feuchtigkeit, Licht und Nährstoffversorgung und verlangt eine recht konstante Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchte. In Pflanzenvitrinen oder Räumen mit stabilem Klima lässt sie sich am zuverlässigsten kultivieren, weshalb sie sich vor allem an fortgeschrittene Aroid-Enthusiasten richtet.
Ein Hinweis zur Benennung: Genau genommen bezeichnet 'Frydek' in der botanischen Literatur die panaschierte Form der Art, während die rein grüne Pflanze korrekt Alocasia micholitziana 'Green Velvet' heißt. Nachdem die Gärtnerei Agristarts ab 2002 die grüne Form unter dem Namen 'Frydek' vermarktete, hat sich diese Bezeichnung im Handel jedoch für die grüne Pflanze durchgesetzt. Quellen variieren hier also zwischen der botanisch korrekten und der handelsüblichen Verwendung des Namens.
Taxonomie & botanische Einordnung
Innerhalb der Familie Araceae gehört die Art zur Unterfamilie Aroideae, Tribus Colocasieae, und zur Gattung Alocasia (Schott) G. Don. Der gültige Name lautet Alocasia micholitziana Sander. Die Erstbeschreibung erfolgte 1912 durch den deutsch-englischen Gärtner und Botaniker Henry Frederick Conrad Sander in The Gardeners' Chronicle; 1913 ergänzte N. E. Brown eine erweiterte Beschreibung mit Illustration in Curtis's Botanical Magazine (Tafel 8522). Die rein grüne Form wurde 1983 von Don Worth informell als 'Green Velvet' benannt und 1984 von David Burnett formell dokumentiert.
Die Art wird gelegentlich mit Alocasia longiloba oder mit der Hybride Alocasia × amazonica verwechselt. Letztere ist keine Naturform, sondern eine in den 1950er-Jahren in Miami entstandene Kreuzung. Alocasia micholitziana ist demgegenüber eine eigenständige, natürlich vorkommende Art; ihre samtige Blattoberfläche unterscheidet sie deutlich von den glänzenden Blättern der verwandten Taxa.
Natürliches Vorkommen & Habitat
Alocasia micholitziana ist auf den Philippinen endemisch und wächst dort ausschließlich auf der Nordinsel Luzon und angrenzenden kleineren Inseln, unter anderem in den Provinzen Apayao, Benguet, Ifugao, Laguna und Rizal. Die Angabe „Malaysia" aus der Erstpublikation von 1913 wurde später als Irrtum erkannt und korrigiert. Als terrestrische Krautpflanze besiedelt die Art das Unterholz primärer und sekundärer Regenwälder sowie feuchte Straßenränder und Lichtungen, überwiegend in montaner Höhenlage zwischen etwa 1.200 und 1.500 Metern über dem Meeresspiegel.
Aus dieser Höhenlage ergibt sich ein tropisch-feuchtes Klima mit einer ganzjährig moderaten bis hohen Luftfeuchte von meist 60 bis 70 Prozent und einem Jahresniederschlag von rund 1.200 mm. Die Tagestemperaturen schwanken saisonal zwischen 9 °C und 31 °C, fallen aber nicht unter ein Minimum von etwa 7 °C. Diese vergleichsweise kühlen Bergbedingungen erklären, warum die Pflanze moderate Temperaturabfälle besser verträgt als rein tropische Tieflandarten der Gattung.
Entdeckung & Historie
Erste Aufsammlungen der Art gehen auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück: Um 1898 sammelte der Botaniker Mr. Loher die Pflanze in der Provinz Benguet auf Luzon. Kurz darauf entdeckte sie der deutsche Pflanzensammler Wilhelm Micholitz am selben Ort erneut, der im Auftrag der englischen Gärtnerei Sander & Sons auf den Philippinen unterwegs war. Um 1910 gelangte die Art über Sander & Sons nach Europa und in die Kultur. Bei der Erstbeschreibung 1912 wählte H. F. C. Sander das Artepitheton micholitziana zu Ehren ihres Sammlers.
Erscheinungsbild
Die Pflanze wächst als mäßig kräftige, immergrüne terrestrische Staude mit rosettig gedrängten Blättern. Die Blattspreite ist sagittat, also pfeilförmig, und flach schildförmig; sie erreicht eine Länge von etwa 40 cm bei rund 13 cm Breite. Ihre Oberseite zeigt ein tiefes, mattes Grün mit ausgeprägt samtiger Textur, während die Unterseite blasser grün und ohne violette Färbung bleibt. Costa und primäre Seitenadern heben sich leuchtend weiß vom dunklen Grund ab und verlaufen nahezu gerade, bevor sie zum gewellten Blattrand hin abbiegen.
Der Blattstiel wird bis zu 45 cm lang, ist im unteren Abschnitt scheidig ausgebildet und unregelmäßig bräunlich bis purpurn gefleckt; pro Pflanze stehen etwa vier bis sieben Blätter zusammen. Der Stamm wächst aufrecht bis niederliegend und erreicht bis zu 50 cm Länge bei rund 4 cm Durchmesser. Unterirdisch bildet die Art ein knolliges Rhizom, dessen Stolonen in kleinen Brutknollen (Cormels) enden – sie dienen der Speicherung von Nährstoffen und Feuchtigkeit sowie der vegetativen Vermehrung. In der Zimmerkultur erreicht Alocasia micholitziana üblicherweise eine moderate Höhe von 60 bis 90 cm bei ähnlicher Breite.
Standort & Kultivierung
Am Standort braucht die Pflanze helles, indirektes Licht oder gefiltertes Sonnenlicht; direkte Mittagssonne im Sommer führt zu Blattverbrennungen. Gut geeignet sind ein Nord- oder Ostfenster oder eine etwas zurückgesetzte Position an einem Süd- oder Westfenster. Unter Pflanzenlampen genügt eine moderate Intensität von 2.000 bis 6.000 Lux beziehungsweise 35 bis 110 PPFD bei 10 bis 12 Stunden Beleuchtung täglich.
Die Temperatur sollte konstant zwischen 18 °C und 26 °C liegen und nicht unter 15 °C fallen, da die Art empfindlich auf Kältestress und kalte Zugluft reagiert. Da das Substrat durch Verdunstung oft kühler ist als die Raumluft, hilft bei der Überwinterung oder Bewurzelung eine Heizmatte, um die Wurzelzone über 20 °C zu halten. Die Luftfeuchte hält man am besten konstant bei mindestens 60 Prozent; in geschlossenen Terrarien gedeiht die Pflanze auch über 90 Prozent, sofern für ausreichende Luftzirkulation gesorgt ist. Statt die Blätter zu besprühen, empfehlen Fachquellen eher einen Luftbefeuchter oder wassergefüllte Kieselschalen.
Anbaumethoden
Entscheidend ist bei jeder Methode ein Wurzelbereich mit gutem Gasaustausch. Sphagnum-Moos eignet sich vor allem zum Bewurzeln von Rhizomschnitten und Brutknollen; es hält Luft und Feuchtigkeit in guter Balance, darf aber nie tropfnass sein. Nach ein bis zwei Monaten, sobald sich ein kräftiges Wurzelsystem gebildet hat, sollte die Jungpflanze in ein strukturstabileres System überführt werden.
In der Semi-Hydrokultur mit inerten Medien wie Blähton (LECA) oder Bims (Pon) zeigt die Art sehr gute Wachstumsraten und gilt als idealer Kandidat für den Umstieg von Erde auf LECA, da sich Erde leicht von den dicken Wurzeln abwaschen lässt. Bewährt hat sich ein Wicking-Setup, bei dem das Substrat über einen Docht aus einem tieferliegenden Reservoir befeuchtet wird, statt dauerhaft im Wasser zu stehen.
Für die Erdkultur ist herkömmliche, stark torfhaltige Blumenerde ungeeignet und ein Hauptauslöser von Wurzelfäule. Ein passender, grob strukturierter Aroid-Mix besteht etwa zu 40 Prozent aus Pinienrinde oder Kokoschips, zu 30 Prozent aus Perlit oder Bims und zu 30 Prozent aus Torfmoos oder Kokosfaser; Holzkohle und Wurmhumus lassen sich zur mikrobiellen Anreicherung beimengen. Der ideale pH-Wert liegt im leicht sauren Bereich zwischen 5,5 und 6,5.
Düngung
Alocasia micholitziana wächst schnell und gilt als nährstoffhungrig. In Erdsubstrat düngt man während der aktiven Wachstumsphase im Frühjahr und Sommer alle zwei bis drei Wochen beziehungsweise bei jedem dritten bis vierten Gießen mit einem ausgewogenen, harnstofffreien Flüssigdünger, verdünnt auf 25 bis 50 Prozent der angegebenen Konzentration; das Substrat sollte regelmäßig mit klarem Wasser gespült werden, um Salzansammlungen zu vermeiden. In der Semi-Hydrokultur ist die Nährstoffzufuhr besonders wichtig, da das inerte Medium selbst keine Nährstoffe liefert: Die Nährlösung setzt man auf Basis von Umkehrosmose-Wasser an, gibt zunächst ein Calcium-Magnesium-Supplement hinzu und strebt einen EC-Wert von etwa 1,2 mS/cm (rund 800 bis 1.000 ppm) an. Frisch in Sphagnum gesetzte Knollen werden im ersten Monat nicht gedüngt. Sobald die Pflanze im Winter in die Ruhephase geht, wird die Düngung vollständig ausgesetzt.
Bewässerung
Das Substrat sollte konstant feucht, aber niemals staunass sein. Gegossen wird nicht nach Kalender, sondern sobald sich die obersten Zentimeter trocken anfühlen. Die Austrocknungstoleranz ist gering: Trocknet der Wurzelballen vollständig aus, rollen sich die Blätter unumkehrbar ein und die Ränder bräunen. Guttation – austretende Wassertropfen an den Blattspitzen – zeigt eine hohe Wasseraufnahme an; tritt sie übermäßig auf, reduziert man die Gießmenge leicht. Wegen der Empfindlichkeit gegenüber Mineralien und Chlor ist weiches Regenwasser, gefiltertes oder Umkehrosmose-Wasser mit Raumtemperatur zu bevorzugen.
Wie für die Gattung typisch, kann Alocasia micholitziana im Winter eine ausgeprägte Ruhephase einlegen, ihr Wachstum einstellen und teils das Laub abwerfen, um sich in das knollige Rhizom zurückzuziehen. In dieser Zeit wird die Bewässerung stark reduziert und das Substrat nur leicht feucht gehalten, da ein ruhendes Rhizom in nasser Erde leicht fault. Die reguläre Wasserversorgung nimmt man erst wieder auf, wenn im Frühjahr neuer Austrieb erscheint.
Vermehrung
Am zuverlässigsten vermehrt sich die Art über ihre unterirdischen Strukturen. Die kleinen Brutknollen (Cormels) am Ende der seitlichen Stolonen lassen sich abtrennen und unter hoher Luftfeuchte in Sphagnum-Moos oder Perlit bewurzeln. Ebenso möglich ist die Teilung des Rhizoms beim Umtopfen im Frühjahr, wobei jedes Teilstück mindestens einen aktiven Wachstumspunkt behalten muss. Stecklinge sind machbar, sofern der Stamm ein Nodium aufweist; eine Aussaat gelingt bei etwa 23 °C nur mit frischem, orange-rotem Beeren-Saatgut und ist selten. Kommerziell wird die Art heute überwiegend über In-vitro-Gewebekultur vermehrt.
Toxizität
Alle Pflanzenteile von Alocasia micholitziana enthalten unlösliche, nadelförmige Calciumoxalat-Kristalle (Raphiden), häufig zusammen mit reizenden Proteasen und Asparagin; die höchste Konzentration liegt in Stamm und Rhizom. Werden Pflanzenteile zerkaut, bohren sich die Kristalle mechanisch in die Schleimhäute von Mund, Zunge und Rachen. Typische Symptome sind sofortiges Brennen, starke Reizung, Schwellung von Lippen und Zunge, vermehrter Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen; in seltenen Fällen kann eine Schwellung im Rachen zu Atembeschwerden führen.
Die ASPCA stuft die Pflanze als giftig für Katzen, Hunde und Pferde ein. In der Regel bleiben keine langanhaltenden Schäden zurück, wenn angemessen reagiert wird; zur Linderung der lokalen Reizung nennt die ASPCA kleine Mengen xylitfreier Milchprodukte. Bei anhaltendem Erbrechen, starker Schwellung oder Atemnot ist eine tierärztliche Abklärung notwendig.
Häufige Probleme & Schädlinge
Alocasia micholitziana ist stark anfällig für Spinnmilben. Ein Befall zeigt sich früh an einer feinen, gelblichen Sprenkelung der Blätter und einem staubigen Erscheinungsbild, später an feinen Gespinsten in den Blattachseln; regelmäßiges feuchtes Abwischen der Blätter und insektizide Seifenlösungen helfen bei Vorbeugung und Bekämpfung. Auch Thripse, erkennbar an silbrigen Kratzspuren und schwarzen Kotpunkten, sowie Schmierläuse und Blattläuse können auftreten.
Das gravierendste Problem ist die Wurzelfäule, meist durch Oomyceten der Gattung Phytophthora infolge von Staunässe. Sie äußert sich in schwarzen, matschigen Stammbasen und rasch, gleichmäßig vergilbenden Blättern. Betroffenes Gewebe muss entfernt, das gesunde Rhizom desinfiziert und in trockenes, steriles und gut belüftetes Substrat umgetopft werden.
Besonderheiten
Das hervorstechende Merkmal der Art ist die tiefdunkelgrüne, stark samtige Blattoberfläche, die das Licht absorbiert – anders als die glänzende oder wachsartige Epidermis vieler verwandter Alocasien. Vor diesem samtigen Grund entsteht ein deutlicher Kontrast zu den dicken, leuchtend weißen Blattadern, die nahezu gerade verlaufen und keine silbrigen Randzonen tragen. Von der ähnlichen Alocasia sanderiana unterscheidet sie sich durch den nur gewellten, weniger tief eingeschnittenen Blattrand, die blassgrüne statt violette Blattunterseite und das Fehlen von Cataphyllen an der Blattstielbasis.
Herkunft & Schutzstatus
In der Natur sind die Wildbestände auf den Philippinen stark unter Druck geraten; die IUCN führt die Art als gefährdet (Vulnerable). Wildentnahme, Besitz und Handel wildgesammelter Exemplare sind auf den Philippinen streng verboten. Legale Pflanzen im internationalen Handel stammen daher aus akkreditierten Gärtnereien und werden über kontrollierte Gewebekultur und Nachzucht gewonnen.
Details & Spezifikationen
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